Zucherhutfichte (Picea glauca ˋConica´)
Standort
Die Zuckerhutfichte mag es gerne ein wenig sonnig, aber nicht zu sehr. Am wohlsten fühlt sie sich daher, wenn sie ein paar Sonnenstunden abbekommt, im Hochsommer aber im Halbschatten steht. Der Standort sollte zudem windgeschützt sein.
Gießen
Hier ist die Zuckerhutfichte etwas knifflig, weil sie es gerne immer mäßig feucht hat, aber sowohl auf Staunässe, als auch auf Trockenheit sehr empfindlich reagiert. Du solltest deine Zuckerhutfichte darum in der Wachstumsphase alle 2-3 Tage wässern, im Hochsommer bei großer Hitze gerne auch täglich. Spätestens sobald sich die oberste Substratschicht (1cm) trocken anfühlt, solltest du dein Bäumchen gießen. In der Ruhephase (Oktober-Anfang März) kannst du etwas sparsamer wässern.
Schneiden
Zuckerhutfichten sind nicht besonders schnittverträglich und treiben nach groben Schnittmaßnahmen aus dem alten Holz manchmal nicht mehr aus. Es müssen unbedingt grüne Zweige oder Äste stehen bleiben, will man nicht riskieren, dass ganze Äste verkahlen und absterben. Der beste Zeitpunkt für größere Gestaltungsschritte ist dabei das späte Frühjahr ab Mai, weil die dabei entstehenden Verletzungen über den Sommer gut verheilen können. Wobei tatsächlich geschnitten werden bei der Zuckerhutfichte nur die Äste und Zweige, der Neuaustrieb dagegen wird durch Abzupfen mit den Fingern eingekürzt. Ich lasse die neuen Triebe zunächst ein paar Zentimeter wachsen und nehme sie dann auf 1-2 cm zurück. Dazu wende ich folgende Technik an:
1. 1-3 Triebe des gleichen Zweiges an ihrer Basis mit dem Zeigefinger und dem Daumen der einen Hand fixieren.
2. Die überstehenden Triebspitzen einzeln nacheinander mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand erst um 90 Grad drehen und dann abzupfen.
Dadurch kürze ich sie auf etwa die gleiche Länge.
3. Feintuning durch Nachzupfen. So entstehen nach und nach dichte Nadelpolster.
Je nach Zuwachs zupfe ich den Neuaustrieb auch mehrmals im Jahr, aber maximal bis Anfang September. Der letzte Austrieb des Jahres darf in Ruhe ausreifen und wird erst in der nächsten Wachstumsphase eingekürzt.
Drahten
Prinzipiell lässt sich die Zuckerhutfichte gut mit Draht gestalten, da ihre Äste und Zweige sehr biegsam sind. Leider Der Draht muss allerdings ziemlich lange (bis zu einem Jahr) an deinem Bäumchen bleiben oder es muss öfter nachgedrahtet werden, weil die Zuckerhutfichte die Neigung hat, nach dem Entdrahten wieder in ihre Ausgangslage zurückzukehren. Entscheidend für den Erfolg ist auch der Zeitpunkt des Eindrahtens. Optimal ist hier der Frühling, bevor der Neuaustrieb sich entwickelt. Die Zuckerhutfichte darfst du aber niemals im Hochsommer drahten, weil die gedrahteten Partien dann verstärkt dazu neigen abzusterben.
Düngen
In der Vegetationsperiode mit Flüssigdüngern (Dosierung nach den Angaben auf der Flasche)
Meine Zuckerhutfichte bekommt als Starthilfe im Frühjahr nach dem Auswintern, wenn sie beginnt auszutreiben, eine Gabe eines eisenhaltigen Koniferendüngers. Ab dann wird alle zwei Wochen mit flüssigem Bonsaidünger gedüngt. Ab und zu ersetze ich eine Gabe des Bonsaidüngers durch einen Koniferendünger. Ob das was bringt, kann ich zwar nicht sagen, geschadet hat es bis jetzt nicht und ich denke, dass jeder Dünger ein bisschen anders zusammengesetzt ist und auf die Weise das Bäumchen ein breiteres Spektrum an Nährstoffen geboten kriegt. Ich mag ja auch nicht immer das gleiche essen, auch wenn es mein Lieblingsgericht wäre.
Herbstdüngung mit mineralischem Kalium-Magnesium-Dünger (1Teelöffel pro 10 x10 cm Substratfläche)
Als letzte Düngung im Herbst gebe ich meinem Bäumchen eine Gabe eines mineralischen Kalium-Magnesium-Düngers, der das Aushärten der diesjährigen Triebe unterstützt und bei der Elnlagerung von Reserven hilft.
Beim Umtopfen
Wird der Bonsai in neues Substrat gesetzt, mische ich als Langzeitversorgung eine gute Handvoll Hornspäne oder organische Düngerpellets ins Substrat. Danach dünge ich 4-6 Wochen nicht zusätzlich.
Im Winter dünge ich meine Zuckerhutfichte nicht.
Umtopfen
Alle drei bis vier Jahre topfe ich im Frühjahr meine Zuckerhutfichte mit einem moderaten Wurzelschnitt um. Dabei ersetze ich das verbrauchte Substrat durch eine neue Mischung aus mittelgrobem Bimskies und Blumenerde (Verhältnis Kies zu Erde 1:2). Wichtig ist hier eine ca.1cm hohe Drainageschicht aus reinem Bimskies am Boden der Schale, da die Zuckerhutfichte sehr empfindlich auf Staunässe reagiert. AlsAnschubdüngung mische ich eine Handvoll Hornspäne oder organische Düngerpellets in das Substrat. Ich lege beim Ausgraben mit einer Bürste immer ein paar Milimeter der Wurzeln am Stammansatz frei und setze dann das Bäumchen jedes Mal etwas höher in die Schale. Dadurch entsteht langsam ein schöner Wurzelstock.
Überwintern
Da ein Bonsai im Gegensatz zu den Pflanzen in der freien Natur nicht mehr über Wurzeln verfügt, die in tiefere und damit frostfreie Erdschichten reichen, werden die oberirdischen Pflanzenteile bei längerem Frost nicht mehr mit Wasser versorgt. Es besteht die Gefahr, dass sie vertrocknen und absterben. Es gilt also den Wurzelballen vor Dauerfrost zu schützen. Ich habe dazu in eine Plastikwanne aus dickem Kunstoff (Mörtelwanne) einige Drainagelöcher gebohrt und befülle sie mit Rindenmulch aus dem Gartenmarkt. Darin vergrabe ich das Bäumchen einfach mitsamt der Schale so, dass die Substratoberfläche von einer mindestens drei Zentimeter dicken Mulchschicht bedeckt ist. Der lockere Mulch enthält viel Luft, die sehr gut isoliert und außerdem Feuchtigkeit speichert.
Wichtig ist bei dieser Überwinterung, dass die Wanne nicht auf der blanken Erde steht, weil sie sich durch ihr Eigengewicht dann in den Boden absenkt und sich die Drainagelöcher mit Erde verstopfen. Bei Regen entsteht dann in der Wanne gefährliche Staunässe. Ich stelle darum meine Wannen immer auf Steinplatten oder Ziegelsteine.
Wenn für mehrere Tage Frost von unter -15 Grad Celsius angesagt ist, schütze ich das Bäumchen zusätzlich mit einem Vlies.
Ich habe diese Zuckerhutfichte 2024 als Topfpflanze in einem recht jämmerlichen Zustand übernommen. Über und über mit Blattläusen befallen und erheblichen Wurzelschäden durch Staunässe habe ich das Bäumchen in einen deutlich kleineren Topf umgesetzt und aufgepäppelt. Eigentlich hatte ich wenig Hoffnung, aber im Frühjahr 2026 hatte sich die Pflanze soweit erholt, dass ich die Erstgestaltung als Bonsai gewagt habe.